Geschlechterrollen und Gender-Theorie

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Geschlechterrollen und Gender-Theorie

Beitragvon Glowfeather » So 15.Sep 2013, 18:34

Abgetrennt aus dem Epidemiegesetz-Thread





HeavyFather: Deine Angst vor dem Gender-Gedankengut (das was du als das "Elter 1 und 2 statt Vater, Mutter, Kind"-Problem bezeichnest) ist für die Entscheidung zu dieser Abstimmung absolut fehl am Platz. Dieses Gedankengut (eigentlich schon längst eine pädagogische Grundlehre) hat schon LÄNGST Einzug gehalten. Wenn du glaubst mit dem Ablehnen DIESES Gesetzes (das überhaupt nicht den Kern der Gender-Thematik trifft) dem Vormarsch der Genderlehre Einhalt zu gebieten, bist du absolut auf dem Holzweg.

Ich hab Sozialpädagogik studiert und arbeite auch auf dem Beruf (und behaupte damit, hoffentlich ohne überheblich zu klingen, dass ich wirklich weiss wovon ich spreche weil ich jeden Tag damit zu tun habe und weiss, was heute wirklich abgeht im Bildungs- und Sozialwesen) und dort ist die Gender-Thematik ein Teil der Ausbildung. Und das nicht erst seit gestern. Pädagogen und Pädagoginnen (also Lehrer, Erzieher, Kindergärtner, Sozialarbeiter...) werden schon seit mehreren Jahren darauf getrimmt, Gendergerechte/Genderneutrale Haltungen einzunehmen, zu leben und zu vermitteln. Dieses pädagogische Konzept ist riesig und hat, wie ich zugeben muss, auch gute Ansätze und sinnvolle Ideen. Es ist und bleibt jedoch eine "Gleichmachungsidee", die uns zu homogenen Menschen machen will, wo alles okay und alles gut ist, völlig lauwarm und weit weg von dem Bild, wie Gott und und speziell die Familie sieht. DAS ist absolut daneben. Aber es ist schon da. Es ist schon passiert.

Diesem Gesetz deswegen NICHT zuzustimmen wäre, als wolltest du heute die Terroranschläge von 9.11 verhindern, indem du einen x-beliebigen Pakistani/Afghane in den Knast steckst. Es macht einfach überhaupt keinen Sinn.

Wenn dich DAS wirklich so stresst, dann fang anderswo an es zu bekämpfen. An einem Ort wo du auch wirklich was ausrichten kannst.
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Re: Abstimmung Epedemie-Gesetz / Sexualaufklärung bei Kinder

Beitragvon HeavyFather » So 15.Sep 2013, 19:36

Glowfeather hat geschrieben:HeavyFather: Deine Angst vor dem Gender-Gedankengut (das was du als das "Elter 1 und 2 statt Vater, Mutter, Kind"-Problem bezeichnest) ist für die Entscheidung zu dieser Abstimmung absolut fehl am Platz. Dieses Gedankengut (eigentlich schon längst eine pädagogische Grundlehre) hat schon LÄNGST Einzug gehalten. Wenn du glaubst mit dem Ablehnen DIESES Gesetzes (das überhaupt nicht den Kern der Gender-Thematik trifft) dem Vormarsch der Genderlehre Einhalt zu gebieten, bist du absolut auf dem Holzweg.

Ich hab Sozialpädagogik studiert und arbeite auch auf dem Beruf (und behaupte damit, hoffentlich ohne überheblich zu klingen, dass ich wirklich weiss wovon ich spreche weil ich jeden Tag damit zu tun habe und weiss, was heute wirklich abgeht im Bildungs- und Sozialwesen) und dort ist die Gender-Thematik ein Teil der Ausbildung. Und das nicht erst seit gestern. Pädagogen und Pädagoginnen (also Lehrer, Erzieher, Kindergärtner, Sozialarbeiter...) werden schon seit mehreren Jahren darauf getrimmt, Gendergerechte/Genderneutrale Haltungen einzunehmen, zu leben und zu vermitteln. Dieses pädagogische Konzept ist riesig und hat, wie ich zugeben muss, auch gute Ansätze und sinnvolle Ideen. Es ist und bleibt jedoch eine "Gleichmachungsidee", die uns zu homogenen Menschen machen will, wo alles okay und alles gut ist, völlig lauwarm und weit weg von dem Bild, wie Gott und und speziell die Familie sieht. DAS ist absolut daneben. Aber es ist schon da. Es ist schon passiert.


Da hast Du recht, denn ich bin ja auch Sozialarbeiter und weiss was da gelehrt wird!

Aber deshalb ist es immer noch sehr wichtig sich gegen das zu wehren, und nicht einfach denken dass man es eh nicht aufhalten kann. (denn richtig da ist es eben noch nicht)
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Re: Abstimmung Epedemie-Gesetz / Sexualaufklärung bei Kinder

Beitragvon Xerminator » Mo 16.Sep 2013, 8:51

Was versteht ihr denn genau unter "Gleichmacherei"? Ich finde es toll wenn z.B. Fächer wie Kochen, Handwerken oder Sport bei Knaben und Mädchen gleichermassen durchgeführt werden. Obwohl gerade auch da Anfangs sicher einige dagegen waren. Was schadet es dem einen Geschlecht, wenn es auch mal etwas machen soll, was typischerweise eher dem anderen Geschlecht zugeordnet wird?

Natürlich gehen die Bestrebungen teilweise zu weit, so dass es auch schon wieder zum Zwang werden kann (z.B. bei Geschlechterquoten, oder wenn Kinder zu bestimmten Verhaltensweisen gedrängt werden). Aber zumindest die psychologische Forschung, die sich mit Geschlechtsrollen befasst, ist diesbezüglich sehr realitätsbezogen und anerkennt durchaus Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Dass zwischen den Geschlechtern unterschieden wird stellt daher auch niemand in Frage (zumindest von den Autoren die ich gelesen habe), und gerade in der Entwicklungspsychologie spielt die Geschlechtsidentität eine zentrale Rolle. Was kritisch betrachtet wird sind einige Eigenschaften oder Vorlieben, die traditionellerweise dem einen oder anderen Geschlecht zugeordnet werden. Aber selbst da wird nicht einseitig gesagt, dass alles bloss erlernt sei, sondern auch mögliche biologische Einflüsse werden genannt. Alles in allem wirkt das auf mich sehr ausbalanciert, und überhaupt nicht als die "Gleichmacherei" wie sie von evangelikaler Seite teilweise skizziert wird.
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Re: Abstimmung Epedemie-Gesetz / Sexualaufklärung bei Kinder

Beitragvon Glowfeather » Mo 16.Sep 2013, 10:00

Xerminator hat geschrieben:Was versteht ihr denn genau unter "Gleichmacherei"? Ich finde es toll wenn z.B. Fächer wie Kochen, Handwerken oder Sport bei Knaben und Mädchen gleichermassen durchgeführt werden. Obwohl gerade auch da Anfangs sicher einige dagegen waren. Was schadet es dem einen Geschlecht, wenn es auch mal etwas machen soll, was typischerweise eher dem anderen Geschlecht zugeordnet wird?

Natürlich gehen die Bestrebungen teilweise zu weit, so dass es auch schon wieder zum Zwang werden kann (z.B. bei Geschlechterquoten, oder wenn Kinder zu bestimmten Verhaltensweisen gedrängt werden). Aber zumindest die psychologische Forschung, die sich mit Geschlechtsrollen befasst, ist diesbezüglich sehr realitätsbezogen und anerkennt durchaus Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Dass zwischen den Geschlechtern unterschieden wird stellt daher auch niemand in Frage (zumindest von den Autoren die ich gelesen habe), und gerade in der Entwicklungspsychologie spielt die Geschlechtsidentität eine zentrale Rolle. Was kritisch betrachtet wird sind einige Eigenschaften oder Vorlieben, die traditionellerweise dem einen oder anderen Geschlecht zugeordnet werden. Aber selbst da wird nicht einseitig gesagt, dass alles bloss erlernt sei, sondern auch mögliche biologische Einflüsse werden genannt. Alles in allem wirkt das auf mich sehr ausbalanciert, und überhaupt nicht als die "Gleichmacherei" wie sie von evangelikaler Seite teilweise skizziert wird.



Ich bin eigenbtlich der selben Meinung wie du. Das Beispiel mit dem Werken und Kochen für Buben sowie Mädchen ist auch eins der positiven Beispiele dieser Haltung. Ich sagte ja, dass ich durchaus positive Dinge daran sehe.
Was mich aber während der Ausbildung störte, war der Fanatismus gewisser Befürworter, alles und jeden eben "gleich" zu machen, so dass am Ende tatsächlich eine Geschlechteridentität (welche ja sehr wichtig ist) gefährdet ist. So wurden wir als Erzieher z.B. aufgefordert, Kindern nie Dinge zu sagen wie "Peter tu das nicht, das tun Buben nicht" oder "Als Frau sollte man...."/"Als Mann wird man..." usw. Selbst wenn es dabei um Fragen der Kinder geht wie "Warum ist Vati ganz anders als Mutti?" sollte man (abgesehen von den offensichtlichen biologischen Merkmalen) einen Unterschied zwischen den Geschlechtern zu machen möglichst vermeiden. Das Kind soll lernen, dass beide genau gleich sind und es deshalb auch okay ist, z.B. später für sich zu entscheiden ob es gerne ein Junge oder ein Mädchen sein möchte (also im Extremfall eine geschlechtsangleichende Operation vornehmen).
In meinen Augen führt diese krasse Haltung (die so tatsächlich gelehrt wird, auch wenn sie vielleicht im Ursprung nicht so gedacht war) dazu, dass Kinder absolut verwirrt sind. Denn einerseits hören sie, dass Frauen und Männer genau gleich sind, das gleiche können und tun sollen, und es ausser dem Aussehen keine Unterschiede gibt, aber andereseits fühlen und erleben sie, dass es doch einen Unterschied geben MUSS, denn Frauen und Männer verhalten sich anders, denken anders, fühlen anders.... Diese Tatsache wird jedoch von den Vertretern, die ich erlebt habe, als "das ist ja nur anerzogen!" abgetan.
Kinder, die in einer Familie aufwachsen, sind da sicher noch resilienter gegen solche Verwirrungen als Heimkinder, denen es ohnehin oft an Orientierung fehlt. Und wenn dann noch sowas kommt, wundert mich gar nicht mehr, dass z.B. Jungs grosse Mühe haben eine positive Vater- und Männerrolle zu entwickeln (weil ihnen nicht gesagt wird, was ein Mann/Vater ist und was ihn ausmacht und sie oft keine positiven Vorbilder im persönlichen Umfeld haben) oder Mädchen sich sehr früh "billig verkaufen", weil sie ihre eigene Identität als Frau in der Sexualität suchen, da sie ihnen anderswo nicht gezeigt wird.

Aber eigentlich sollte man, wenn wir hier nun darüber diskutieren wollen, den Thread teilen. Denn es geht ja hier ums Epidemiegesetz. Das damit nur insofern was tun hat, als dass eben diese Frage (welche Offenbar die Gemüter sehr zu erhitzen vermag) dazu benutzt wird um das Abstimmungsergebnis zu buhlen.
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Re: Geschlechterrollen und Gender-Theorie

Beitragvon Checka » Mo 16.Sep 2013, 16:14

"Peter tu das nicht, das tun Buben nicht"

solche aussagen sind meiner meinung nach auch gefährlicher schwachsinn.

also- sie haben natürlich schon ihre (gesellschaftliche) berechtigung, sag ich mal, aber genau davon sollte man wegkommen, finde ich. und nichts mit gleichmacherei, sondern mit: wenn der peter röcke tragen will, soll er das auch dürfen. und wenn die heidi sich nicht die beine rasieren will, geht das niemanden auch nur einen scheiss an.
ich glaube nicht, dass die kinder deswegen eine identitäskrise kriegen, aufgrund der diskrepanz zwischen dem, was gelehrt wird und den gesellschaftlichen tatsachen. man kann ja auch über genau das reden.

es ist ein jammer, unter was für gesellschaftlichen zwängen jungs und mädels so stehen. das kosmetikbeispiel von oben ist so eine sache.. genauso wie es in gewissen berufen eigentlich keine frauen gibt (und natürlich auch umgekehrt). weil die kinder im betreffenden alter gar nicht dran denken, dass sie anstatt pharmaassistentin oder kauffrau auch polymechanikerin oder elektrikerin (schon nur dass das wort so komisch aussieht ist falsch.. (; ) werden könnten.
-hier wird es ihnen zwar nicht direkt verboten wie bei anderen dingen, aber das bewusstsein dafür kann irgendwie gar nicht aufkommen, aus diversen gründen..
da spielt natürlich alles mit, vorbilder, erziehung, unterricht, werbung, filme.. da kann man schwer dagegen ankämpfen.

naja. man merkt vielleicht dass mich das thema ein bisschen beschäftigt..

edit: ich hab zwar keinerlei pädagogische oder psychologische ausbildung.. aber zu behaubten, dass mit einer neutraleren erziehung die kinder homo- oder transsexuell werden, ist mit an sicherheit grenzender wahrscheinlichkeit höchstgradig schwachsinnig. (da das so militant klingt, muss ich es nochmal ausdrücklich als meine meinung deklarieren.)
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Re: Abstimmung Epedemie-Gesetz / Sexualaufklärung bei Kinder

Beitragvon Xerminator » Mo 16.Sep 2013, 16:26

Glowfeather hat geschrieben:So wurden wir als Erzieher z.B. aufgefordert, Kindern nie Dinge zu sagen wie "Peter tu das nicht, das tun Buben nicht" oder "Als Frau sollte man...."/"Als Mann wird man..." usw.


Hmm, aber sind diese Aussagen nicht auch sehr einengend formuliert? Einem Kind zu sagen es solle etwas nicht tun "weil das Buben nicht tun" finde ich auf jeden Fall falsch, denn was ist wenn der Knabe das tatsächlich gerne macht? Ist er dann etwa kein richtiger Knabe mehr? Und wieso sollte er es nicht tun dürfen? Oder auch die Aussage "Als Frau sollte man" impliziert, dass Frauen das immer so machen sollten. An Erklärungen wie z.B. "Die meisten Mädchen spielen lieber mit Puppen als mit Autos" oder "Männer tragen fast nie Röcke" finde ich hingegen nichts falsches, da sie eher beschreibend sind und nichts darüber aussagen was man machen darf und was nicht.

Insofern finde ich auch, dass man sich immer am Erfahrungshorizont der Kinder orientieren sollte. Es macht ja kaum Sinn zu leugnen, dass Männer z.B. seltener in der Kinderbetreuung arbeiten als Frauen, anderseits muss man die Kinderbetreuung aber auch nicht als ausschliesslich weibliche Tätigkeit deklarieren.

Klar wollen Kinder wissen was Frauen und Männer unterscheidet, und wie sie sich als Knaben oder Mädchen verhalten sollen. Aber muss man ihnen deshalb irgendwelche plakativen Eigenschaften auftischen die garantiert auf sehr viele Frauen oder Männer überhaupt nicht zutreffen? Oder anders gesagt: Wann ist ein Mann ein Mann? :wink:
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Re: Geschlechterrollen und Gender-Theorie

Beitragvon Checka » Mo 16.Sep 2013, 16:33

da kann man nur so antworten:

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Re: Geschlechterrollen und Gender-Theorie

Beitragvon Glowfeather » Mo 16.Sep 2013, 18:45

ähm... ich glaub ich hab mich gerade selbst durcheinander gebracht... hab eure Antworten gelesen und gedacht "hä? das hat doch mit dem was ich gesagt hab gar nichts zu tun!" hab dann nochmal meins gelesen und gemerkt: aha... logisch. ich hab ja auch ganz verdreht geschrieben...

Also, dass man nicht Sachen sagen soll wie "Jungs weinen nicht/tragen keine Röcke" sind wir uns ja wohl alle einig, natürlich ist das Quatsch. Und das besagt die Gendertheorie ja auch.
Aber dass man Unterschiede , z.B. dass Männer körperlich stärker sind, Frauen sich eher Gefühlsbetont ausdrücken, Mädchen lieber Gemeinsamkeiten und Jungs lieber den Wettkampf suchen usw. (wobei das hier logischerweise auch nur "Verallgemeinerungen" sind) als nicht existent hinstellen soll, das finde ich einfach schwierig. Natürlich kann man sagen, dass es anerzogen sein mag, dass Mädchen anders denken/handeln/fühlen als Jungs. Aber irgendwas MUSS man ihnen ja "anerziehen", also, nichts anerziehen kann man nicht. Ja und wenn nichts nicht geht (ganz nach Watzlawick "Man kann nicht nicht kommunizieren"), was soll man dann?
Dann finde ich es immer noch sinnvoller (und gesünder) einem Kind zu sagen, dass Frauen sich anders anziehen als Männer, anders denken und argumentieren und anders wahrgenommen werden, damit es eine Orientierung (als Hilfe, nicht als Zwang!) hat. Immer unter dem Hinweis, dass man es auch anders machen könnte.
Aber Kindern zu sagen "Du musst das andere auch ausprobieren / du musst selber herausfinden was du sein willst / ein Mann/eine Frau ist das, was du daraus machst" usw. finde ich einfach gemein.
Sie sehen ja, dass ihre Eltern, Lehrer, Erzieher, Bezugspersonen... unterschiedlich in ihren Geschlechtern sind. Ihnen dann zu sagen, dass das nicht stimme, ist doch einfach blödsinnig. Und sie wollen ja wissen, was denn aus ihnen mal wird. Ihnen darin keine Vorbilder zu sein (z.B. selber so "neutral" zu sein dass es dem Kind nichts hilft) ist in meinen Augen schon fast Verwahrlosung.
Aus lauter Angst davor, Kinder in eine Geschlechterrolle zu zwängen, nimmt man ihnen jeden Halt.

Vielleicht bezieht sich meine Abneigung gegenüber dem Thema auch einfach darauf, was genau und wie es uns vermittelt wurde. Und dann natürlich die Mittel, mit denen es umgesetzt wird, wie eben z.B. das Abschaffen der Worte "Mutter" und "Vater" (weil das zu sehr in eine Geschlechterrolle zwänge).
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Re: Geschlechterrollen und Gender-Theorie

Beitragvon Xerminator » Mo 16.Sep 2013, 19:11

Glowfeather hat geschrieben:Dann finde ich es immer noch sinnvoller (und gesünder) einem Kind zu sagen, dass Frauen sich anders anziehen als Männer, anders denken und argumentieren und anders wahrgenommen werden, damit es eine Orientierung (als Hilfe, nicht als Zwang!) hat. Immer unter dem Hinweis, dass man es auch anders machen könnte.

Das finde ich eine gute Haltung :D

Glowfeather hat geschrieben:Aber Kindern zu sagen "Du musst das andere auch ausprobieren / du musst selber herausfinden was du sein willst / ein Mann/eine Frau ist das, was du daraus machst" usw. finde ich einfach gemein.
[...]
Aus lauter Angst davor, Kinder in eine Geschlechterrolle zu zwängen, nimmt man ihnen jeden Halt.

Da stimme ich dir auch zu, diese Gefahr besteht zum Teil. Und unabhängig davon ob nun anerzogen oder biologisch fundiert: Knaben und Mädchen entwickeln gewisse Präferenzen, und diese Präferenzen einfach zu ignorieren, nur um Gleichheit herzustellen, wäre schlicht falsch. Wenn nun Frauen tendenziell lieber Human- und Geisteswissenschaften studieren und Männer tendenziell eher technische Fächer wählen - macht doch nichts, hauptsache alle können das machen was ihnen Spass macht!
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Re: Geschlechterrollen und Gender-Theorie

Beitragvon Checka » Mo 16.Sep 2013, 19:29

genau. das "du musst" ist nicht gut. in beide richtungen..

die vermeindlichen unterschiede -männer sind stärker- ..es gibt vielleicht gewisse tendenzen, aber die unterschiede zwischen frauen und frauen (oder männern und männern) sind doch grösser wie die zwischen "frauheit und mannheit"..
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Re: Geschlechterrollen und Gender-Theorie

Beitragvon trypanosoma » Mo 16.Sep 2013, 21:30

Xerminator hat geschrieben:Wenn nun Frauen tendenziell lieber Human- und Geisteswissenschaften studieren und Männer tendenziell eher technische Fächer wählen - macht doch nichts, hauptsache alle können das machen was ihnen Spass macht!

Sehe ich im Prinzip auch so. Die Frage ist nur: Werden Mädchen und Jungen dazu erzogen, dass ihnen das eine $paß machen "darf" und das andere nicht? Wenn dem so ist (und zumindest teilweise ist dem so - man denke nur an die Spielwarenindustrie, z.B. Lego!), ist die ganze Kiste schon ein bisschen unfair, weil damit z.B. erhebliche Einkommensunterschiede verbunden sind. Soziale Berufe werden eben schlechter bezahlt als technische.

Checka hat geschrieben:die vermeindlichen unterschiede -männer sind stärker- ..es gibt vielleicht gewisse tendenzen, aber die unterschiede zwischen frauen und frauen (oder männern und männern) sind doch grösser wie die zwischen "frauheit und mannheit"..

Das finde ich den springenden Punkt. Unterschiede zwischen Männern und Frauen hinsichtlich mathematischen bzw. sprachlichen Fertigkeiten, räumlichem Vorstellungs- bzw. Einfühlungsvermögen etc. sind zwar im Durchschnitt vorhanden, aber so gering, dass sie über Einzelpersonen überhaupt nichts aussagen. Den Fähigkeiten nach müsste man in einem Ingenieursstudiengang vielleicht 52 Männer und 48 Frauen, in einem sprachlichen Studiengang vielleicht 52 Frauen und 48 Männer finden. Die Realität sieht aber viel krasser aus. Zudem hängt das Abschneiden in solchen Tests auch von den Erwartungen ("Ich bin eine Frau, also muss ich in diesem Mathetest schlecht abschneiden") ab. Wenn man diese geschlechtsspezifischen Erwartungen neutralisiert (z.B. indem man der Probandin sagt, dass Frauen bei diesem Mathetest meist gut abschneiden), verschwinden die Unterschiede oft ganz.

Sehr cooles Buch zum Thema (schon oft empfohlen ;)): http://www.amazon.de/Die-Geschlechterl%C3%BCge-Macht-Vorurteile-%C3%BCber/dp/3608947353/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1379362878&sr=8-2&keywords=delusions+of+gender

Was die Erziehung angeht, finde ich, dass Kinder schon ein bisschen Relativität vertragen können. Kinder verstehen, dass es Regeln und Ausnahmen gibt. Man kann ja so etwas sagen wie: "In den meisten Familien ist der Papa ein bisschen stärker als die Mama/ geht lieber raus/ mag lieber Fußball. Bei uns trägt ja auch der Papa immer den schweren Koffer/ geht mit dir raus/ spielt mit dir Fußball. Frauen können aber auch stark/ sportlich sein und manchmal ist die Mama auch stärker/ sportlicher als der Papa, zum Beispiel bei Familie Soundso." Damit greift man die vom Kind erlebte Realität auf, macht aber gleichzeitig deutlich, dass sie kein Zwang ist. Das finde ich wichtig.
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Re: Geschlechterrollen und Gender-Theorie

Beitragvon Xerminator » Mo 16.Sep 2013, 22:11

trypanosoma hat geschrieben:Die Frage ist nur: Werden Mädchen und Jungen dazu erzogen, dass ihnen das eine $paß machen "darf" und das andere nicht? Wenn dem so ist (und zumindest teilweise ist dem so - man denke nur an die Spielwarenindustrie, z.B. Lego!), ist die ganze Kiste schon ein bisschen unfair, weil damit z.B. erhebliche Einkommensunterschiede verbunden sind. Soziale Berufe werden eben schlechter bezahlt als technische.

Das sehe ich auch so, von daher finde ich es auch durchaus sinnvoll, Berufe für beide Geschlechter attraktiv zu gestalten und Geschlechter-Stereotype zu hinterfragen. Aber eben, es soll nicht zu einem Zwang werden. Gewisse Geschlechter-Stereotype, die wiederum die Vorlieben und das Handeln beeinflussen, wird es immer geben. Mal abgesehen davon, dass biologische (anatomische und hormonelle) Unterschiede eben auch noch eine gewisse Rolle spielen dürften. Und gerade bei dem von dir genannten Beispiel muss man sich auch fragen, ob man nicht eher bei den Einkommensunterschieden ansetzen sollte. Denn egal ob nun Frauen oder Männer schlecht bezahlte Berufe ausüben, irgend jemand kommt zu kurz.
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Re: Geschlechterrollen und Gender-Theorie

Beitragvon Brunnen_Headbang » Di 17.Sep 2013, 8:39

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Re: Geschlechterrollen und Gender-Theorie

Beitragvon Glowfeather » Di 17.Sep 2013, 8:45

Xerminator hat geschrieben:
trypanosoma hat geschrieben:Die Frage ist nur: Werden Mädchen und Jungen dazu erzogen, dass ihnen das eine $paß machen "darf" und das andere nicht? Wenn dem so ist (und zumindest teilweise ist dem so - man denke nur an die Spielwarenindustrie, z.B. Lego!), ist die ganze Kiste schon ein bisschen unfair, weil damit z.B. erhebliche Einkommensunterschiede verbunden sind. Soziale Berufe werden eben schlechter bezahlt als technische.

Das sehe ich auch so, von daher finde ich es auch durchaus sinnvoll, Berufe für beide Geschlechter attraktiv zu gestalten und Geschlechter-Stereotype zu hinterfragen. Aber eben, es soll nicht zu einem Zwang werden. Gewisse Geschlechter-Stereotype, die wiederum die Vorlieben und das Handeln beeinflussen, wird es immer geben. Mal abgesehen davon, dass biologische (anatomische und hormonelle) Unterschiede eben auch noch eine gewisse Rolle spielen dürften. Und gerade bei dem von dir genannten Beispiel muss man sich auch fragen, ob man nicht eher bei den Einkommensunterschieden ansetzen sollte. Denn egal ob nun Frauen oder Männer schlecht bezahlte Berufe ausüben, irgend jemand kommt zu kurz.


Kann dem nur zustimmen.


Eigentlich ist das Ganze ja eine gute Sache. Schlimm find ichs eben dann (und das ist mir leider schon sehr oft begegnet), wenn aus lauter Angst vor dem Zwang ein anderer (versteckter) Zwang aufgesetzt wird. Also quasi "Es ist richtig schlimm, wenn unser kleines Mädchen in diese Mutter-und-Hausfrau-Rolle gesteckt wird, deshalb darf es nur noch Fussball und Auto spielen und besucht später im Gymnasium den Mathe-Leistungskurs, damit es nicht diese veraltete Frauenrolle einnehmen muss!"

Mir persönlich ist es schon mehr als ein Mal passiert, dass ich von Studienkoleginnen und Mitarbeiterinnen unverständlich angeschaut wurde, wenn ich gesagt habe, dass ich eigentlich gerne Hausfrau und Mutter werden möchte. Da kamen dann Antworten wie "Was, du lässt dich in diese Zwänge stecken??" oder "Aber du bist doch eine aufgeklärte, intelligente und empanzipierte Frau, du MUSST doch unbedingt dein Potential ausschöpfen und darfst es nicht hinter dem Herd verkommen lassen!"

Da frage ich mich dann schon, wo uns dieses Streben nach der Gleichmachung hinführt. Weg vom Zwang oder hin zu einem neuen?
Die Gefahr sehe ich dort gerade für Mädchen, denen dann mit guter Absicht (man will sie ja aus dem Zwang der "Frauenberufe" lösen, was eigentlich eine gute Idee ist) weisgemacht wird, dass sie sich als Frau nur behaupten können, wenn sie das Selbe tun wie die Jungs. Also sprich, Hausfrau und Mutter werden (oder Krankenschwester, Sekretärin, Putzfrau...)ist nicht "gut genug" weil es "veraltet" und "unemanzipiert" ist.
Jungs hingegen haben auf einmal keine "Männerdomäne" mehr, wo sie unangefochten "die Starken" sind, weil Mädchen ja nun auf einmal das alles auch können sollen. Aber sich beweisen zu können ist doch gerade für Jungs (und Männer) psychologisch gesehen für die emotionale Entwicklung so wichtig.

Und dann stellt sich natürlich unweigerlich die Frage: Wohin wenden sich solche Kinder und Jugendlichen dann, wenn alles bisherige auf einmal keine echte Orientierung und Hilfe zur Findung der eigenen Geschlechtsidentität mehr bietet?
Ich sage nicht, dass es früher besser war (diese starren Rollenbilder sind ja auch total verkehrt), aber ich denke, man muss doch vorsichtig sein und aufpassen, dass man eben nicht einen neuen Zwang daraus entstehen lässt.

Folgen davon sieht man heute ja schon bei vielen Frauen, die sich unter Druck gesetzt fühlen alles auf ein Mal machen zu müssen: Karriere machen (weil keine Karriere zu machen wäre unemanzipiert), Mutter sein (weil keine Kinder zu haben würde bedeuten dass man Karrieregeil ist), unabhängig sein (weil Abhängigkeit Schwäche bedeutet), für den Familienzusammenhalt sorgen (weil Familie ja das wichtigste ist)... und und und. Es reicht auf einmal nicht mehr, NUR Mutter zu sein, oder NUR arbeiten zu gehen.
Das selbe gilt ja auch für Männer. Wobei es dort häufiger, nicht wie bei den Frauen ein "du sollst dich auch ausleben dürfen!", sondern eher ein "du musst aber auch mal die Frauensachen machen!" ist.
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Re: Geschlechterrollen und Gender-Theorie

Beitragvon mili » Di 17.Sep 2013, 14:30

Als Mutter finde ich dieses Thema schwierig. Mein Sohn soll, wenn er alt genug ist selbst entscheiden dürfen, was er machen will, wie er sich anziehen will (wobei ich doch vermutlich sehr Mühe haben würde, wenn er sich als Frau kleiden und verhalten will.)

Ab wann ist er jedoch im Alter, wo ich ihm diese Entscheidungen überlassen kann, mit gutem Gewissen und ohne irgendwelchen Druck auszuüben?


Ich denke, dass die Kinder automatisch durchs beobachten und nachspielen schon einen grossen Teil der unterschiede zwischen den Geschlechtern wahrnehmen.
Schemaja weiss zum Beispiel, dass ich mich schminke und an den Beinen und Armen rasiere, während Papa sich mit der Maschine den Kopf rasiert und danach Aftershave drauf schmiert.. und er versucht diese Sachen nachzumachen.
Und er hat bereits seine ersten Vorstellungen was nur Mädchen oder nur Buben machen dürften, weil er dies Zugause, in der Kita, usw. beobachtet und erlebt. Und er ist erst 3...
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