Theologisch fragende Podcasts und die Wahrheit

Für Glaubensdiskussionen aller Art... / For discussions about faith...

Re: Worthaus, Hossa Talk, Tiefseetauchen..

Beitragvon mortige » So 16.Apr 2017, 7:20

@ Punki warte bei Hossa Talk noch bis 30.04. Dann kommt eine Diskusion mit Torsten Dietz, ein Theologe und letztes Jahr auch bei der Worthaus Konferenz.
Der hat ein super tolles Buch über das Verständnis von Sünde geschrieben.

Und generell kann ich die Bücher von Richard Rohr nur sehr empfehleb, ein amerikanischer Jesuit, der sich sehr mit der dualistischen Prägung besonders im Christentum beschäftigt hat.
Er tritt dagegen für einen mystischen, aber auch weniger eineutigen Weg ein.
Kostprobe: "Institustionelle Religion ist eine menschlich gesehen notwenige und gleichtzeitig unreife Manifestation des verborgenen Geheimnisses, durch welches Gott die Welt erlöst"
Der schhreibt Sätze, wo man erst mal 5 minuten drüber meditieren kann.
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Re: Worthaus, Hossa Talk, Tiefseetauchen..

Beitragvon punkrentner » Mo 17.Apr 2017, 0:16

So! Jetzt habe ich mal fünf Sendungen von Hossa talk komplett durchgehört.

Auch dort ist nicht alles Gold, was glänzt. Und dabei meine ich jetzt absolut nicht, das dort Ansichten vertreten werden, bei welchen ich laut aufjaule wie ein getroffener Köter, weil meine Standpunkte zu gewissen Themen anderst gesehen werden, sondern weil sich die beiden Moderatoren manchmal doch arg unreif benehmen und nicht selten auch von sich etwas zu eingenommen sind.

Aber Grundsätzlich ist es notwendig, das zahlreiche, heiße Eisen angepackt werden. Es muss ja nicht immer mit meinem Standpunkt konform gehen. Ein bisschn weniger spöttische Sprüche der Moderatoren wären schon angebracht gewesen. Und die Wahrheit (wäre sie eine Person) ist es wohl eh wurscht, was Menschen über Sie denkt.
"Only those, who´ll keep the faith,
shall escape from the wrath of The Metallian!!!"


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Re: Worthaus, Hossa Talk, Tiefseetauchen..

Beitragvon mortige » Mo 17.Apr 2017, 10:07

Freucht mich wirklich für dich, dass es dir so viel bringt. Hast dann ja noch über 60 Folgen vor dir :D
Geiler Spruch aus der aktuellen Folge: "Jeder Christ ist eines anderen Christen Ketzers" "Und ich kann die Wahrheit gar nicht 100 % erkennen"
Und dieser Dualismus Gott ist die Liebe, aber auch der gerechte Richter, der Buchhalter, der meine Sündemn hassst. An dem Gerdanken knabber ich immer noch. Weil manchmal eben die Gedanken da sind, "bin ich genug". Darf ich überhaupt hinterfragen und mich zurücknehmen oder haut Gott mit dem Hammer drauf?
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Re: Worthaus, Hossa Talk, Tiefseetauchen..

Beitragvon punkrentner » Di 18.Apr 2017, 3:38

Er haut mit dem Hammer.... aber immer mit Absicht...ganz knapp daneben. Damit wir mal etwas zusammenzucken... und anfangen nachzudenken.
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Re: Worthaus, Hossa Talk, Tiefseetauchen..

Beitragvon Elon » Mi 19.Apr 2017, 20:05

Die Frage ist, ob man von DEN Gemeinden, oder DEN Theologen spricht, ober ob von DER Theologie.
Und da gibt es in allen (oder zumindest den meisten ;-) Gutes und Schlechtes.
Aber was DIE lieberale Theologie betrifft (sofern man einfach mal alles in einen Topf schmeißt), habe ich doch sehr Bedenken.
Geprägt von der Aufklärung reduzierte sich das Christentum letztlich auf eine fromme Moral (so viel dazu, Antestor, dass das vor allem das Problem der Evangelikalen ist :wink: :roll: )
vor zweihundert Jahren war es die liberale Theologie, die Jesus auf einen "Gutmenschen" reduzierte, der DIE Moral predigte. Alles, was göttlich oder übernatürlich war, wurde gnadenlos rausgestrichen.
Sein Tod hat keine Heilsbedeutung mehr. Es ging letztlich soweit, dass es keinen personalen Gott mehr als Gegenüber gibt.
Ein sehr interessantes Buch dazu von einem renomierten Professor und Bischof im Ruhestand: https://www.amazon.de/Theologie-Neuen-T ... che+kritik

Jetzt an Ostern kann man sich gut mit den verschiedenen Kreuzes Deutungen beschäftigen.
Ketzerisch aber für mich macht das total Sinn, das ganze auch zeitgebunden zu interpretieren.
Ich glaube die meiste haben auch eher damit Probleme überhaubt verschiedene Deutungen zuzulassen.

Was die Deutungen des Todes Jesu betrifft: Ja, da denke ich auch, dass man ihn oft reduziert betrachtet (in allen Lagern wahrscheinlich). Aber den Sühnecharakter rauszunehmen, wie es "die liberale Theologie" macht, da muss ich das NT schon ganz schön vergewaltigen.
Bin gespannt auf folgendes Buch, das seit kurzen in meinem REgal steht und darauf wartet, gelesen zu werden:
https://www.amazon.de/Deutungen-Todes-J ... +testament
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Re: Worthaus, Hossa Talk, Tiefseetauchen..

Beitragvon mortige » Do 20.Apr 2017, 13:14

Aber eben der Sühnecharakter wurde doch erst in die Bibel hineininterpretiert (amsel von Canterbary 10xx Jhr.)
Dass man daraus eine ganze Theologie und Gottesbild und dabei immer auf das Christentum verweist, halte ich für höchstproblematisch.
Was zieht das nach sich? Eben Gott als strafenden und gerechten Richter und der Mensch als armes Würstchen, was sich rechtfertigen muss.
Das hat es so in keiner Epoche der Christenheit gegeben, da gab es immer theologische Diskussionen. Thedizee, Trinität, die Allversöhnung ist kein neuzeitliches Phänomen, sondern wurde schon in der Frühzeit diskutiert. Da weiß die evangeilkale Theologie aber immer einfache Antworten drauf, steht halt so in der heiligen Schrift. Nein, eben nicht.
Denn so kann ich bequem die eigenen Schäfchen bei der Stange halten und alle anderen als "nicht gläubig in unserem Sinne" auschließen.

Sorry, manche Sätze klingen ziemlich abgehackt, mir sind viele Gedanken durch den Kopf gegangen.
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Re: Worthaus, Hossa Talk, Tiefseetauchen..

Beitragvon Elon » Do 20.Apr 2017, 21:55

Aber eben der Sühnecharakter wurde doch erst in die Bibel hineininterpretiert (amsel von Canterbary 10xx Jhr.)


Sühne hineingelgt? nein, die liberale Theologie versucht die Sühnetheologie rauszureissen. Hier mal einige Verse.

Romans 3:25-26 25 Den hat Gott für den Glauben hingestellt als Sühne in seinem Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit, indem er die Sünden vergibt, die früher 26 begangen wurden in der Zeit seiner Geduld, um nun in dieser Zeit seine Gerechtigkeit zu erweisen, daß er selbst gerecht ist und gerecht macht den, der da ist aus dem Glauben an Jesus.

Ephesians 1:7 7 In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade,

Colossians 1:20 20 und er durch ihn alles mit sich versöhnte, es sei auf Erden oder im Himmel, indem er Frieden machte durch sein Blut am Kreuz.

1 Timothy 1:15 15 Das ist gewißlich wahr und ein Wort, des Glaubens wert, daß Christus Jesus in die Welt gekommen ist, die Sünder selig zu machen, unter denen ich der erste bin.

1 Peter 1:18-19 18 denn ihr wißt, daß ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöst seid von eurem nichtigen Wandel nach der Väter Weise, 19 sondern mit dem teuren Blut Christi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes.

1 John 4:10 10 Darin besteht die Liebe: nicht, daß wir Gott geliebt haben, sondern daß er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden.

Hebrews 9:28 28 so ist auch Christus einmal geopfert worden, die Sünden vieler wegzunehmen; zum zweiten Mal wird er nicht der Sünde wegen erscheinen, sondern denen, die auf ihn warten, zum Heil.
Sowieso kompletter Hebräerbrief.

Revelation 5:9 9 und sie sangen ein neues Lied: Du bist würdig, zu nehmen das Buch und aufzutun seine Siegel; denn du bist geschlachtet und hast mit deinem Blut Menschen für Gott erkauft aus allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Nationen

Ich könnte noch hunderte solcher Verse zititeren. Viel Spass, hier die Sühnetheologie rauszudiskutieren.

Und dann die ganze Aufgreifung der Opferthematik des Alten Testaments durch die neutestamentlichen Autoren. Natürlich, die liberale Theologie bestreitet ja sowieso einen roten Faden durchs Alte Testament ins Neue Testament hinein. Nach namhaften Theologen wie Troeltsch damals und viele wietere sollten die Christen das AT schon längst aus ihrer Bibel rausgenommen haben. Heilsgeschichte hat ja auch keinen Platz.
Aber ich kann die alttestamentliche Sühnetheologie nicht aus dem NT rausnehmen, das geht nicht. Damit vergewaltigen wir die Bibel.

Und wegen Anselm. Das ist Quatsch. Was Anselm leider getan hat, ist den Geadnken reinzubringen, dass Jesus mit seinem Opfer Gottes Zorn besänftigen musste. Also dass die Erlösung von Jesus ausgeht und er damit versucht hat, Gott zu beruhigen. Aber das NT lehrt, dass Gott der Initiative ist, wenn es um die Erlösung des Menschen geht. Er musste nicht versöhnt werden, die Menschen müssen versöhnt werden (2. Kor 5,20). Die Sühne ist nichts, was Jesus tun musste, um Gott zu überzeugen, uns doch zu vergeben, sondern der Weg Gottes, für den er sich entschieden hat, dass wir mit ihm wieder ins Reine kommen können.

Nenn es Sühne, Versöhnung, Rechtfertigung, Loskauf, das alles sind "Fachausdrücke" von verschiedenen Bereichen (Kult, Gericht, Familie, Markt usw). Und alle drücken die Erlösung auf eine eigene spezifische Art und Weise aus. Aber den Sühnecharakter kann ich nicht rausnehmen, ausser ich übergebe hunderte von Versen und missachte die komplette religiöse Umwelt, in der das NT geschrieben wurde.

Dass wir heute mit dieser Kultsprache nicht mehr so viel anfangen können und es vielleicht noch andere Zugänge zum Tod Christi gibt, bestreite ich überhaupt nicht. Aber es zu leugnen ist naiv und blind.


Genau deswegen habe ich auch ein wenig Bedenken mit Worthaus und Co. Dass man unfiltriert diese Theoloige übernimmt und alles Gewohnte über Bord schmeißt und meint, es war alles falsch und daneben.

Lest z.B. Peter Stuhlmacher, ein namhafter Uni-Professor in Deutschland. Der bringt es mit der Sühnetheologie gut auf den Punkt.


Was zieht das nach sich? Eben Gott als strafenden und gerechten Richter und der Mensch als armes Würstchen, was sich rechtfertigen muss.

Nein, nicht du musst dich rechtfertigen, Gott rechtfertigt dich durch Christus. Das versucht doch Paulus im Römerbrief aufzuzeigen. Und ich kenne keinen evangelikalen ernstzunehmenden Theologen, der einen solchen Schwachsinn erzählen würde.

die Allversöhnung ist kein neuzeitliches Phänomen, sondern wurde schon in der Frühzeit diskutiert

...und als Irrlehre abgelehnt. Origenes war deshalb auch nie offizieller Kirchenlehrer, sondern hatte zu seiner Zeit sehr viele Kritiker.

Da weiß die evangeilkale Theologie aber immer einfache Antworten drauf, steht halt so in der heiligen Schrift. Nein, eben nicht.

Redest du von manchen evangleikalen Christen oder von der evangelikalen Theologie, also von ernstzunehmenden evangelikalen Theologen?
Achja, und wenn wir schon dabei sind, alles besser zu wissen. Die liberalen Theologen wissen dafür ganz genau, welche Jesusworte in den Evangelien Jesus wirklich gesagt hat und welche nicht. Nur dass sie alle überhaupt nicht einer Meinung sind, aber wissen tun sie es.
Sorry, ich werde langsam sarkastisch, aber diese Lobhudelei auf die Kritiker der evangelikalen Theologie geht mir langsam auf die Nerven. Ja, ich finde auch viel Müll in der evangelikalen Szene, aber ich beschwer mich nicht ständig, sondern versuch einen Unterschied zu machen. An den Früchten wird man sie erkennen.
Welche Früchte hat die liberale Theologie? Ausser dass die hälfte der Pfarrer nicht wissen, was sie an Ostern predigen sollen, weil sie nicht glauben, dass Jesus auferstanden ist?
So, jetzt muss ich Schluss machen, sonst wirds richtig gemein :twisted:
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Re: Worthaus, Hossa Talk, Tiefseetauchen..

Beitragvon mortige » Fr 21.Apr 2017, 16:12

Sorry, aber ich könnte den Spieß umdrehen. Welche Früchte hat die evangelikale Szene hervorgebracht?
Ausser mit Bibelstellen jeden totzuschlagen, der eine andere Perspektive hat oder Zweifel äußert.
Und das ist doch das blöde an der Sache, dass man Kategorien aufmacht, wer ist jetzt gläubig und wer nicht.
Ich will auch gar nicht den großen Graben aufreißen, aber ich kann nicht bestreiten, dass eben bei Evangelisationen genau dieses Bild vermittelt wurde. Der Mensch als Sünder, Jesus wird dann genommen und bestraft und dann ist Gott wieder versöhnt.
Natürlich nur mit Übergabegebet, sonst ist man ja nicht Safe. Aber das steht nirgendswo in der Bibel.
Und das macht etwas mit deinem Selbstverständnis und Gottesbild, weil du eben bei bei jeder Sache fragst, bin ich ok, brauche ich Vergebung?
Bin ich richtig bekehrt? Was ist mit der Hölle? Da werden Menschen verletzt und liegengelassen und vergessen.
Und das spiegelt für mich ein Großteil der evaneglikalen Szene wieder. Du bist nur ok, wenn du in unserem Sinne glaubst und lebst.
Da ist die Landeskirche einfach ein Ort wo du sein kannst wie du bist, ohne dass dich jeder auf das richtige Verhalten abcheckt.
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Re: Worthaus, Hossa Talk, Tiefseetauchen..

Beitragvon mortige » Fr 21.Apr 2017, 16:24

Wobei ich einfach am Hinterfragen bin und nicht einfach alles über Bord kippen will. Ist halt ein Prozess, manchmal begegnet Gott auch wieder auf ungewöhnlichen Wegen.
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Re: Worthaus, Hossa Talk, Tiefseetauchen..

Beitragvon Elon » Fr 21.Apr 2017, 16:53

Der Mensch als Sünder

tja, davon spricht halt das Neue Testament nur zu deutlich.

Romans 5:8 8 Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, daß Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.

Ephesians 2:1-6 Ephesians 2:1 Auch ihr wart tot durch eure Übertretungen und Sünden, 2 in denen ihr früher gelebt habt nach der Art dieser Welt, unter dem Mächtigen, der in der Luft herrscht, nämlich dem Geist, der zu dieser Zeit am Werk ist in den Kindern des Ungehorsams. 3 Unter ihnen haben auch wir alle einst unser Leben geführt in den Begierden unsres Fleisches und taten den Willen des Fleisches und der Sinne und waren Kinder des Zorns von Natur wie auch die andern. 4 Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, 5 auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht - aus Gnade seid ihr selig geworden -; 6 und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus,

Colossians 3:5-7 5 So tötet nun die Glieder, die auf Erden sind, Unzucht, Unreinheit, schändliche Leidenschaft, böse Begierde und die Habsucht, die Götzendienst ist. 6 Um solcher Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams. 7 In dem allen seid auch ihr einst gewandelt, als ihr noch darin lebtet.

Und das ist der springende Punkt, dass durch die Aufklärung und der Humanismus das Bild vom bösen Menschen nicht mehr geglaubt werden wollte. Der Mensch sei doch gut und mit der richtigen Erziehung und Moral schafft er es auch. Erst die beiden Weltkriege haben dann das Kartenhaus einstürzen lassen.

Da ist die Landeskirche einfach ein Ort wo du sein kannst wie du bist, ohne dass dich jeder auf das richtige Verhalten abcheckt.

Ja, das ist meiner Meinung nach gut wie auch schlecht. Natürlich sollen wir nicht einander ständig abchecken und sofort mit dem erhobenen Zeigefinger dastehen, wenn man sündigt.
Aber ob die Kirche ein Ort ist, wo man einfach sein kann, wie man ist, da bin ich mir nicht so sicher, ob das im Sinne des Erfinders ist.
Lese ich im NT doch häufig, dass man auf einander Acht haben und auch ermahnen soll. Dass man sein altes Verhalten ausziehen und den neuen Menschen anziehen soll.
Dass man in der Heiligung voranschreiten soll. Von daher sollte eine christliche Gemeinschaft ein Ort sein, wo man aneinander und miteinander wachst und sich hoffentlich stetig verändert und wo man nicht einfach so bleibt, wie man ist.
In unserer Zeit ist natürlich das ganze Thema "Kirchenzucht", Ermahnung usw. sehr heikel. Vor allem, weil es in der Postmoderne ja keine allgemeingültige Wahrheit mehr gibt und somit jeder machen kann und glauben kann, was er will.
Aber ob das richtig ist? Sehen wir doch in vielen Schriften des NT, wie die Autoren sich gegen einschleichende Irrlehrer wehren (Galater, Philipper, Kolosser, 2. Petrus, Judas, 1. Johannes, Sendschreiben in der Offenbarung). Also kann doch nicht jeder einfach glauben und so leben, wie er will.
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Re: Worthaus, Hossa Talk, Tiefseetauchen..

Beitragvon Hellig Usvart » Fr 21.Apr 2017, 21:31

Kann es sein, dass es bei eurer Diskussion im Kern darum geht, ob die Bibel als absolute Grundlage des Glaubens gilt, ob sie nur ein Teil eines Ganzen ist, oder ob sie rein menschliche Abschriften enthält?

Wenn die Bibel als Grundlage dient (egal ob sie nun als absolute Wahrheit gilt oder einfach nur als menschliche Zeugenberichte, auf welche wir uns stützen), dann muss man die Antworten auf solche Fragen natürlich in der Bibel suchen. Dann kann man Argumentation mit Bibelversen als Grundlage auch nicht einfach als "Versedrescherei" abtun.

Wenn sie jedoch nicht als die Grundlage dient, dann bleiben verschiedene Meinungen und Überzeugungen, die häufig mit historischen Begebenheiten und guten (= schlüssigen, uns gefallenden) Gedanken begründet werden. Und diese Meinungen sind häufig - je nachdem, wen man fragt - widersprüchlich.

Ich persönlich muss mich entscheiden zwischen der Bibel als Grundlage - ergänzt natürlich durch historischen Kontext und durch gute menschliche Gedanken - und dem (möglicherweise theistischen) Agnostizismus. Denn wenn die Offenbarung aus/durch uns Menschen selbst kommt, wem soll man denn glauben?

Aktuell tendiere ich zu ersterem. Natürlich gibt es auch mit der Bibel als Grundlage noch ein riesiges Spektrum an Deutungen. Es bleibt also auch da spannend genug, wenn man offen ist für verschiedene Ansichten :) Werde mir nächstens mal ein paar Worthaus-Folgen reinziehen.
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Re: Worthaus, Hossa Talk, Tiefseetauchen..

Beitragvon mortige » Sa 22.Apr 2017, 8:48

Kann schon sein, Danilo. Aber wenn du von aktuell schreibst, heißt dass du auch mal mehr den Erfahrungen glaubst und mal mehr der Bibel.

Ich will auch abstreiten, dass viele Dinge in der Bibel stehen, nur was da drauss gemacht wird. Und das ist dann meistens erst mal negativ, dann wird es positiv und dann ist ja alles alles gut.
Aber das wiederspricht der Realität der meisten Menschen heute, weil sie vor ganz anderen Lebensproblemen stehen.
Und da kann mann durchaus interpretieren, sonst würde es ja gar nicht so viele unterschiedliche Kirchen geben.
Und da geht mir auch das Selbstverständnis der evangelikalen Szene auf den Senkel, als Hüter der einen Wahrheit. Wie oft ich in meiner Jugend gehört habe, der Papst und die katholische Kirche ist der Satan persönlich.
Genauso wie aus dieser Ecke ständig das politische Engagement der evangelischen Kirche als grün-links versifft verunglimpft wird. Da ist meiner Meinung nach sehr viel Versöhnungsarbeit angesagt.
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Re: Worthaus, Hossa Talk, Tiefseetauchen..

Beitragvon mortige » Sa 22.Apr 2017, 9:05

Elon hat geschrieben:
Der Mensch als Sünder

tja, davon spricht halt das Neue Testament nur zu deutlich.

aus Gnade seid ihr selig geworden -; 6 und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus,

Colossians 3:5-7 5 So tötet nun die Glieder, die auf Erden sind, Unzucht, Unreinheit, schändliche Leidenschaft, böse Begierde und die Habsucht, die Götzendienst ist. 6 Um solcher Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams. 7 In dem allen seid auch ihr einst gewandelt, als ihr noch darin lebtet.

Und das ist der springende Punkt, dass durch die Aufklärung und der Humanismus das Bild vom bösen Menschen nicht mehr geglaubt werden wollte. Der Mensch sei doch gut und mit der richtigen Erziehung und Moral schafft er es auch. Erst die beiden Weltkriege haben dann das Kartenhaus einstürzen lassen.

Hier kann man sehr schön den Unterschied erkennen: Ich lese bei Jesus vor allem die Gnade heraus. Paulus kommt halt von der alten Rabbiner Schuler und sieht vor allem den Schuld Charakter des Menschen, der gesühnt werden muss. Hier finde ich, dass Paulus ein Übergewicht gegeben wird. Dieses negative Menschenbild ist meiner Meinung nicht jesus mäßig. Weil Jesus dich eben so liebt wie du bist. Trotzdem denken viele dass sie dem eben nicht genügen, auch nach Bekehrung nicht. Aber im Christentum wird dir das eben so vorgepredigt, dass du deine Leidenschaften wegbeten musst.


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Ja, das ist meiner Meinung nach gut wie auch schlecht. Natürlich sollen wir nicht einander ständig abchecken und sofort mit dem erhobenen Zeigefinger dastehen, wenn man sündigt.
Aber ob die Kirche ein Ort ist, wo man einfach sein kann, wie man ist, da bin ich mir nicht so sicher, ob das im Sinne des Erfinders ist.
Lese ich im NT doch häufig, dass man auf einander Acht haben und auch ermahnen soll. Dass man sein altes Verhalten ausziehen und den neuen Menschen anziehen soll.
Dass man in der Heiligung voranschreiten soll. Von daher sollte eine christliche Gemeinschaft ein Ort sein, wo man aneinander und miteinander wachst und sich hoffentlich stetig verändert und wo man nicht einfach so bleibt, wie man ist.
In unserer Zeit ist natürlich das ganze Thema "Kirchenzucht", Ermahnung usw. sehr heikel. Vor allem, weil es in der Postmoderne ja keine allgemeingültige Wahrheit mehr gibt und somit jeder machen kann und glauben kann, was er will.
Aber ob das richtig ist? Sehen wir doch in vielen Schriften des NT, wie die Autoren sich gegen einschleichende Irrlehrer wehren (Galater, Philipper, Kolosser, 2. Petrus, Judas, 1. Johannes, Sendschreiben in der Offenbarung). Also kann doch nicht jeder einfach glauben und so leben, wie er will.

Komisch dass sich das meistens auf sexualethische Dinge bezieht, gibt es keine größeren Probleme auf der Erde? :roll: Das was aus dieser Verurteilung der Irrlehren und angeblich falschem moralischen Verhalten spricht, ist für mich vor allem Angst.
Aber spricht Jesus nicht davon, dass er die Welt überwunden hat und er für uns ist? Wovor sollte man dann noch Ängste haben? Vielleicht davor dass ns dann die Schäfchen davonlaufen.


Sehr schön, das hier diskussionsmäßig wieder etwas geht.

























Nur komisch, dass man nur den Balknen im Auge des anderen findet, der dann korrigiert werden mus.Und das finde ich eben gar nicht, weil dort auch diskutiert wird.
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Re: Worthaus, Hossa Talk, Tiefseetauchen..

Beitragvon Antestor » So 23.Apr 2017, 9:15

Ok ich steige dann mal mit ein.

Wenn man es reduziert, geht es tatsächlich um die Frage des Bibelverständnisses.

Vielleicht mal grundsätzlich zu Elon:
Sorry wenn du sauer bist, aber ich hatte es ja schon geschrieben: Die evangelikale Theologie mit ihrem Verständnis der Irrtumslosigkeit der Bibel (Chicagoer Erklärung etc.) ist doch die, die immer sehr genau Stellung bezieht und tendenziell auch eher Ansichten vertritt, die dem gesellschaftlichen Bild entgegen stehen. Homosexualität ist Sünde, Erlösund ist ein Opt-in, geschätzt gehen ca. 90% der Menschen in die Hölle. Ich sage ja nicht, dass die Vertreten da böswillig handeln, aber wer sich mit so einem Bibelverständnis und gleichzeitigem Drang nach Evangelisation aus dem Fenster lehnt, darf sich eben nicht wundern, wenn er kritische Anfragen bekommt.

Man kann das aus der Bibel alles so sehen wie du sagst. Die Bibel spricht von Sünde, von Rechtfertigung und Gericht. Das weg diskutieren zu wollen, ist Käse!

Allerdings waren das damals eben auch gängige gesellschaftliche Themen und Fragen. Nur heute interessiert das keinen mehr, die gesellschaftlichen Themen haben sich gewandelt, bzw. wir leben in einer anderen Kultur. Die Frage ist jetzt eher, welchen Stellenwert hat die Bibel und wie muss man sie interpretieren. Hier finde ich es anmaßend, dass die evangelikalen sich mal ganz demütig als "bibeltreu" definiert haben. Allein schon dieses Wort vergewaltigt die Bibel. Die unbeschriebene Theologie, die du brauchst, um die Illusion einer Bibeltreue aufrecht zu erhalten ist krude. Die evangelikalen Gemeinden lehren ja wie keine anderen das allgemeine Priestertum, es gibt aber viel zu wenig ausgebildete Theologen. Dann hast du einen Haufen Laien die alle bibeltreu ohne großes kulturelles Hinterwissen die Bibel möglichst wörtlich verstehen wollen, dabei aber unbequeme Stellen einfach verdrehen. Die "Weisen aus dem Morgenland" sind so ein Thema. Wenn man Bibeltreu ist müsste man wohl eher von Astrologen sprechen. Passt aber ja nicht ins Bild... Dass Maria und Josef nicht verheiratet waren und gemeinsam in Urlaub gingen und auch gemeinsam in einem Stall übernachteten wird mir auch viel zu wenig thematisiert. Passt halt nicht, wenn man den jugendlichen eine restriktive Sexualethik vermitteln will. Und im Kindergottesdienst hält sich auch immer noch die Irrlehre, dass Saul am Schlafen war als David ihm den Mantel geritzt hat. Dabei war er am Kacken. Ist für Kinder aber eben zu vulgär... Manche Kröte muss man dann eben doch schlucken.
Ich wurd aus der Gemeinde ausgeschlossen, weil ich vermeintlich nicht nach der Bibel gelebt habe. Die gleichen Leute, die mich deswegen nicht mehr in der Gemeinde haben wollten, grüßen mich aber trotzdem noch auf der Straße. Mit manchen habe ich sogar auch danach nochmal zusammen gegessen... Finde den Fehler.

Du wirft der liberalen Theologie vor, zu viel wegzulassen. Ich werfe der evangelikalen Theologie vor, zuviel in die Bibel rein zu legen. Und hier ist die Gefahr: Um in evangelikalen Kreisen ernst genommen zu werden, muss man mit der Bibel argumentieren. Das führt dazu, dass jeder seine eigene Meinung in die Bibel reinlegt und es anderen dann als "Gottes Willen" verkauft. Und da beginnt geistlicher Missbrauch! Da ist mir die liberale Theologie viel ehrlicher, die wenigstens zugibt, dass die Bibel nicht in allen Punkten ausschlaggebend ist und interpretiert werden muss.

Die Bibel als Maßstab nehmen zu wollen, ist vielleicht ein gut gemeintes Ziel, aber auch sehr anmaßend und gefährlich, denn JEDER interpretiert die Bibel. Gott hat sich durch Sprache geoffenbart, das ist etwas dynamisches, diskussionsbedürftiges. Aus meiner Sicht war "Die Bibel" nicht dafür gedacht, wörtlich genommen zu werden. Gott ist dynamisch und ewig, ihn auf Sprachfragmente einer ganz bestimmten Zeit zu einem ganz bestimmten Ort von einer uns ganz fremden Kultur festmachen zu wollen, ist kein Gottesdienst, sondern ein Gottesbärendienst.

Den Gedanken, dass sich hinter Bibeltreue oft nur Faulheit, Angst und Ignoranz befindet, heb ich mir für den nächsten Post auf.
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Re: Worthaus, Hossa Talk, Tiefseetauchen..

Beitragvon trypanosoma » So 23.Apr 2017, 14:54

Ich habe mir letztes Jahr sowohl einige Worthaus- als auch Hossa Talk-Folgen reingezogen und fand die ebenfalls ziemlich gut. (Gerade frage ich mich, warum ich nun so lange pausiert habe.) Vor allem habe ich den Eindruck: Das sind Menschenfreunde. Dann gefällt mir, dass Fragen diskutiert und nicht beantwortet werden. Es ist schon eine Weile her, aber ich erinnere mich zumindest noch dunkel, wie es sowohl bei Worthaus als auch bei Hossa Talk um die Frage ging, warum Jesus gestorben ist (wird ja von euch auch schon diskutiert). Mein Eindruck war: Althergebrachte Antworten wurden kritisch geprüft, neue wurden vorgestellt. Eine richtige Lösung gab es am Ende aber nicht. Ich finde, wenn man das aushalten kann, ist man schon mal auf einem guten Weg.

Hossa Talk steht und fällt für mich mit den Gästen. Manchmal verhindern die beiden mit ihrer Albernheit eine vertiefte Auseinandersetzung. Wenn man als Gast dann mehr in die Tiefe gehen will, läuft man Gefahr im Kontrast zu ernst und bieder zu wirken, und lässt es dann vielleicht. Ich fand, dass Christina Brudereck z.B. ganz gut damit umgegangen ist.

Eure Diskussion verfolge ich mal, ohne mich zu äußern. Danke für eure Gedanken.
Give me my freedom for as long as I be.
All I ask of living is to have no chains on me.
All I ask of living is to have no chains on me,
And all I ask of dying is to go naturally.
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